

Filipov hatte sich mit dem deutschen Gesetz eher schwer getan und mit Händen und Füßen gegen eine tarifliche Bindung in seinen Betrieben gewehrt. Ein Großteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Atlas hatten sich von Wind und Wetter und dem maßlosen Benehmen ihres Chefs nicht abschrecken lassen, sondern mit vereinten Kräften durchgehalten. Sie haben gezeigt, wie viel man auch als abhängig Beschäftigter erreichen kann, wenn man zusammen hält und den schweren Weg gemeinsam geht. Giesela Brandes-Steggewentz ist zu diesem erfreulichen Termin von den beiden Sprechern des Kreisverbands der Linken in Oldenburg-Land, Katharina Lindner (Bild links) und Holger Gerdes, begleitet worden. In Ganderkesee (Oldenburg-Land) befindet sich das Hauptwerk der Atlas Maschinen GmbH, hier war der Streik begonnen worden.


„Den Kolleginnen und Kollegen bei Atlas ist es gelungen, die Flucht ihres Arbeitgebers aus dem Tarifvertrag zu verhindern“, erklärte die Bezirksleiterin der IG Metall Küste, Jutta Blankau. „Der Streik in Delmenhorst, Ganderkesee und Vechta war auch ein wichtiges Signal an die Branche insgesamt: Wer sich Wettbewerbsvorteile auf Kosten der Beschäftigten sichern will, muss mit dem Widerstand der IG Metall rechnen“, so die Gewerkschafterin.
Der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Oldenburg, Hartmut Tammen-Henke, dankte den am Streik beteiligten Beschäftigten für ihren Einsatz in den vergangenen Wochen: „Sie haben Tag und Nacht vor den Toren ausgeharrt und damit für alle Mitarbeiter die Regelungen der Tarifverträge gesichert. Auch die Solidarität von hunderten Menschen aus der Region sowie aus Gewerkschaften, Parteien, Kirchen, Unternehmen und von vielen anderen Institution hat Fil Filipov dazu bewegt, auf die Beschäftigten zuzugehen und die Vereinbarung abzuschließen“, erklärte Tammen-Henke. Er betonte außerdem, dass mit dem Ergebnis der Urabstimmung der Kurs der IG Metall eindrucksvoll bestätigt wurde.
Nach dem Verhandlungsergebnis gelten für die 650 Atlas-Beschäftigten die Tarifverträge der Metall- und Elektroindustrie weiter. Außerdem bekommen sie die vorgesehene Tariferhöhung von 2,7 Prozent ab dem 1. Mai 2011. Nur bei der Bezahlung von befristet Beschäftigten kann für maximal zwölf Monate vom Tarifvertrag abgewichen werden. Die tariflichen Arbeitsbedingungen werden durch eine Gesamtzusage des Unternehmens abgesichert. Die Einzelverträge der Beschäftigten stehen durch die Vereinbarung mit dem Gesamtbetriebsrat bis mindestens zum 31.12.2013 unter kollektivem Schutz.


Die Geschäftsführung verpflichtet sich, mit einer Gesamtzusage, den Arbeitnehmern zuzusichern, dass die in dem Übernahmetarifvertrag und die in ihm aufgeführten anderen Tarifverträge einzelvertraglich zur Anwendung kommen.

Die Tarifkommission empfiehlt die Annahme des Ergebnisses, die Urabstimmung findet am Montag, in der Zeit von 13:00 bis 15:00 Uhr statt.


Nach der sehr freundlichen Begrüßung setzte sich Florian zu den Streikposten an das Solidaritätsfeuer. Holger Gerdes begleitete zwei Kollegen auf dem Kontrollrundgang rund um das Atlas-Gelände.
"Die KollegInnen sind hochmotiviert. Keiner denkt an eine vorzeitige Aufgabe", so ein Streikposten in Vechta. Zum Abschied durfte Florian den 13. Streiktag in Vechta auf dem großen Transparent aufmalen.
*) Name geändert


Der Landesparteitag folgte somit dem Initiativantrag des Kreisverbandes Oldenburg-Land.
Der Arbeitskampf in Delmenhorst, Ganderkesee und Vechta ist inzwischen kein reines Regionalthema mehr. Landes- und Bundespolitiker der LINKEN besuchten die Streikposten um sich vor Ort ein genaues Bild zu machen.
Für den Wortlaut der Solidaritätsresolution (als PDF-Datei) einfach das Bild anklicken.


Pfarrer Norbert Lach und Pastor Michael Kalisch hielten vor ca. 100 Menschen einen ökumenischen Streik-Gottestdienst vor dem Atlas-Werk in Ganderkesee ab. Massenarbeitslosigkeit ist kein Schicksal, und die Finanzierbarkeit des Sozialstaates kann durch eine völlig andere Steuerreform gesichert werden, lautete die Botschaft von der Kanzel.
Die beiden Geistlichen forderten Fil Filipov auf, sich an den Verhandlungstisch zu setzen.


Hat Filipov, der immer und überall das Licht aus macht, um Geld zu sparen, hier gerade die Fäden seiner Marionetten aus den Händen verloren? 14 Minuten wurde hier sein geliebtes Geld verschwendet! 14 Minuten wurde hier die Umwelt unnötig belastet!
Der kurze Gedanke, dass die Streikposten durch die Abgase vorsätzlich geschädigt werden sollten, wurde verworfen. Es wird davon ausgegangen, dass der Atlas-Eigentümer Filipov, als Folge des Arbeitskampfes, den Respekt seiner Führungsmannschaft so langsam verliert.



Obwohl das Tor 1 seit heute für den Lieferverkehr und die Streikbrecher geöffnet wurde, dürfen die Streikposten der IG Metall jede Person für maximal 15 min. über das Ziel des Arbeitskampfes informieren. Dieser "Informationspflicht" kamen die Streikposten gerne nach. Es läßt sich nicht vermeiden, dass sich vor der Zu- und Ausfahrtsgasse ein Rückstau bildet. Das Arbeitsgericht hatte zuvor bereits ausdrücklich festgestellt, dass Arbeitskampfmaßnahmen Verzögerungen mit sich bringen. Den wartenden LKW-Fernfahrern wurde heißer Kaffee zum Informationsgespräch angeboten.
Die Streikbrecher bekamen für ihren Verrat an die Kolleginnen und Kollegen die Trillerpfeifen zu hören.



Zum Glück blieb die erwartete Aktion der Atlas-Geschäftsführung aus. Die GenossInnen saßen gemeinsam mit den Streikposten rund um den brennenden Feuerkorb.
Vor dem Arbeitsgericht Oldenburg hatte sich die Atlas-Geschäftsleitung verpflichtet, die Kündigung von dem Betriebsratsmitglied Detlef Precht zurückzunehmen. Sämtliche arbeits- oder strafrechtliche Maßnahmen gegen die Streikenden sind jetzt nichtig. Leider musste die IG Metall zugestehen, dass ab Montag 6:00 Uhr ein Werkstor nicht blockiert wird.
Die Streikleitung wird jetzt beraten, wie mit der neuen Situation umzugehen ist.


Nun scheint er, nachdem Macht und Geld ihn gestreift haben, den Sinn für das Maßvolle und den Kontakt zur Realität verloren zu haben. Um seinen Willen durchzusetzen lässt er seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor drei Werkstoren in der Kälte ausharren. Er reagiert auf die Bitte um ein Gespräch, um einen Kompromiss im Arbeitskampf, um ein bisschen Einsicht mit Entlassungen, Drohungen, inzwischen sogar bloßer Gewalt, wie Bagger, die stumpf auf die Gruppe zugerollt sein sollen, zeigen. Jegliche Kritik prallt an ihm ab, jeden Versuch der Schlichtung empfindet er als Zumutung, Rechte ignoriert oder bekämpft er offensiv.
Die Streikenden erhalten in diesen Tagen viel Unterstützung, sie setzen ihren Kampf um würdige Arbeitsbedingungen unermüdlich fort. Sie verteidigen die Rechte, die ihnen in unserem Land uneingeschränkt zustehen und demzufolge auch eigentlich überhaupt nicht in Frage gestellt werden sollten. Doch der Kampf ist hart. Neben dem stets brennenden Feuer, dem mit Lichtern geschmückten Weihnachtsbaum und dem Zelt, in dem ein bisschen Wärme, Kaffee oder Tee, Kuchen und Essen zu bekommen sind, steht auch noch etwas anderes seit Wochen auf diesem Betriebsgelände an ihrer Seite: Zorn und Angst. Der Unternehmer zeigt sich indes gänzlich unbeeindruckt von dem Kampf, mit dem seine Belegschaft einen Tarifvertrag fordert. Er blickt auf die Menschen vor seinen Werkstoren, als seien es Ratten, die seine Vorratskammern leerfressen. Dass er sich Menschen gegenübersieht, die mit Würde und Anstand behandelt werden wollen und die überdies mit ihrer Arbeitskraft seinen Betrieb zu dem gemacht haben, was er heute ist, will der hartherzige Bulgare nicht anerkennen.
In der Biografie zeichnet Filipovs Frau Veronique ein ganz anderes Bild. Sie schreibt ihm folgenden Satz als oft zitiertes Lebensmotto zu: „Denke daran, wo du herkommst; bleibe mit beiden Füßen auf dem Boden und lass dir die Dinge nicht zu Kopfe steigen.“ Der, wie sie schreibt „fürsorgliche, unterstützende“ Ehemann, straft seine eigenen Worte Lügen. Fürsorglich ist er den Menschen gegenüber, die für ihn arbeiten, nicht. Ihre Forderungen tritt er mit Füßen. Ihre Rechte verhöhnt er. Der Unternehmer Fil Filipov ist eine gigantische wandelnde Mogelpackung. Zwischen dem Bild, das er von sich vermittelt haben will und dem, welches er tatsächlich präsentiert, liegen Welten.
Dieser Filipov ist derselbe Filipov, der in dem Buch, das – bezeichnenderweise – „Filosophien“ heißt und mit dem Gedicht „Ode an Fil“ beginnt, mit seinen beiden Enkeltöchtern im Arm posiert; die kleinen Mädchen fest an sich gedrückt lächelt der stolze Großvater in die Kamera. Möge Fil Filipov einmal eine Sekunde daran denken, dass viele seiner MitarbeiterInnen, die in Wind und Kälte ausharren, weil er jedes Gespräch verweigert, auch kleine Mädchen oder Jungen haben, für die sie Verantwortung tragen. Bevor er das nächste Mal den Befehl gibt, ein Fahrzeug in eine Gruppe von Menschen zu lenken, einen Streikenden am Ärmel ins Gebäude zerrt oder aus anderen Betrieben die MitarbeiterInnen heranzieht, um seinen eigenen zu zeigen, dass er sie nicht braucht, sollte Filipov jene Seite in seinem eigenen Buch aufschlagen und noch mal nachlesen, was er zu vergessen haben scheint: „…Bleibe mit beiden Füßen auf dem Boden…“ – Fil Filipov, liebender Großvater und vor Hass offensichtlich sprühender, diktatorischer, menschenverachtender Arbeitgeber hat den Kontakt zum Boden längst verloren.
Wir wünschen den Atlas-Streikenden auch weiterhin Durchhaltevermögen und Stärke. Wir unterstützen sie, wo es uns möglich ist. Dieser Arbeitskampf ist ein Kampf gegen alle Unternehmer, die glauben, sie könnten sich dank ihrer gesellschaftlichen Position, ihres Reichtums und ihrer Macht alles erlauben. Es ist ein Kampf, der mit jedem Tag, den er durchgehalten wird, die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern stärkt. Es ist ein Kampf gegen die Willkür und Ungesetzlichkeit eines Mannes, der sich rührselig auf Bildern mit zwei kleinen Mädchen als fürsorglicher Opa stilisiert und gleichzeitig bewusst verursacht, dass andere kleine Mädchen um den Job ihres Vaters und damit um die Existenz der gesamten Familie bangen müssen.


Mittels Hubschrauber wurden bis heute Güter ins Werk und Ersatzteile aus dem Werk geflogen. Anwohner beschwerten sich gegen die Lärmbelästigung bei der Gemeinde. Das Bundesluftfahrtamt prüft jetzt die Beschwerden. Bis Montag gibt es erstmal keine Landegenehmigung auf dem Atlasgelände.
Heute Mittag kam die Information, dass sich die Situation in Ganderkesee wieder zuspitzte. Die Kreisvorsitzenden Katharina Lindner und Holger Gerdes fuhren unverzüglich zu den Atlas-KollegInnen. Mehrere fertiggestellte Bagger sollten verladen werden. Die Streikposten konnten dies noch rechtzeitig verhindern.
Verschiedene Verfahren sind beim Arbeitsgericht Oldenburg noch anhängig. Es wird erwartet, dass das Gericht kurzfristig die Blockade der Werkstore regeln wird. Die KollegInnen der IG Metall haben sich auf verschiedene Situationen eingestellt. Um den Streikerfolg nicht zu gefährden, wurden Stillschweigen über weitere Aktionen vereinbart.
GenossInnen und Freunde der LINKEN im Landkreis treffen sich morgen um 13:00 Uhr am Zelt der Streikleitung um ihre uneingeschränkte Solidarität mit den Arbeitskämpfern zu demonstrieren.


Die Landtagsfraktionsvorsitzende ließ sich vor Ort von der Streikfront berichten. Flauger bedauerte, dass sich der Eigentümer Filipov noch nicht zu Verhandlungen mit der IG Metall durchringen konnte. Die Beschäftigten teilten mit, dass Filipov mit Küngigung, Einschüchterungen, Abmahnungen, Beleidigungen, etc. versucht, die Streikenden zur Arbeit zu bewegen.
Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass die Beschäftigten durchhalten und weiterkämpfen werden. Die IG Metall hat am Tor 8 jetzt einen Wohncontainer aufgestellt, damit sich die KollegInnen dort ebenfalls aufwärmen können. Laut IG Metall wird das Wetter den Kampf um einen Tarifvertrag in keiner Weise beeinflussen. "Haltet durch!", so Flauger, "es geht jetzt nicht mehr nur um Atlas. Die Arbeitgeberverbände beobachten die Situation hier im Betrieb sehr genau. Wenn Filipov hiermit durchkommt, dann wird die Branche sofort nachziehen."
Nachdem ihr Schreiben an Filipov (vor 3 Wochen) bisher unbeantwortet blieb, sprach Flauger heute persönlich im Verwaltungsgebäude vor. Es blieb offen, ob die Atlas-Geschäftsführung tatsächlich nicht vor Ort war oder sich nur verleugnen ließ.

Da Filipov sich nicht an die in Deutschland geltenden Spielregeln halten will, schlug sie den IGM-Kollegen vor, sie sollten für den gebürtigen Bulgaren Filipov zu einem Integrations-Kurs anmelden. Amüsiert betrachtete Flauger jetzt das IGM-Banner am Werkstor.


Auch Genossinnen und Genossen aus den Kreisverbänden Oldenburg-Land, Wesermarsch und der Linken-Arbeitsgemeinschaft „Mehr Demokratie“ waren vor Ort, um mit den Streikenden zu sprechen und ihre uneingeschränkte Unterstützung zu signalisieren. Flauger, die selbst seit vielen Jahren in der Gewerkschaft ist und lange Zeit in verschiedenen Unternehmen als Betriebsrätin aktiv war, warf ein paar mitgebrachte Kohlen ins Feuer, das in der Kälte nicht nur wärmen soll, sondern auch symbolisch für die Kraft und den Mut steht, mit dem die Streikenden unter harten Bedingungen ihre Rechte als Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer verteidigen.

Der Streik für den Tarifvertrag, gegen den sich der Atlas-Eigentümer F. Filipov nach wie vor mit Händen und Füßen und allerlei unlauteren Mitteln wehrt, wird auch in den nächsten Tagen weitergehen. Flauger begrüßt diese Entscheidung, denn sie ist der Ansicht, Filipov dürfe auf keinen Fall mit dem Druck, den er auf seine Belegschaft ausübt, erfolgreich sein. Auch die Streikenden wissen, es geht nicht nur um ihre eigenen Arbeitsplätze und Existenzen, sondern um etwas Grundlegendes: Filipovs übt massiven Druck auf seine Mitarbeiter aus, der sich in Drohungen, der exemplarischen Entlassung eines Betriebsratsmitglieds und der starrköpfigen Weigerung, mit Gewerkschaft, Betriebsrat und den im Betrieb arbeitenden Menschen überhaupt zu sprechen, zeigt. Würde die Belegschaft unter diesem Druck einknicken, wäre Filipovs Sieg ein Freibrief für andere Unternehmen, die gleichen Schraubstöcke bei ihren Belegschaften anzusetzen, um die eigenen Interessen durchzuboxen. Stattdessen muss man, so Flauger, Filipov dazu zwingen, anzuerkennen, dass in Deutschland Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kein Vieh sind, das man auf die Weide treibt, sondern Menschen, für die ein Arbeitgeber eine gewisse Verantwortung trägt. Sie haben Rechte, die nicht mit Füßen getreten werden dürfen und können. Das muss auch ein Herr Filipov kapieren, wenn er in Deutschland unternehmerisch tätig sein will.“


Die IG Metall hatte gestern Abend mitgeteilt, dass die Zentrale und die örtliche Streikleitung nach einer erfolgreichen Urabstimmung beschlossen hätten, für heute ab 6 Uhr die Mitarbeiter der Atlas Maschinen GmbH in Ganderkesee zu einem Streik aufzurufen. Der soll zunächst eine Woche andauern und den bisher verhandlungsunwilligen Filipov zu einem Haustarifvertrag bewegen. Der bulgarische Unternehmer und Terex-Manager soll nach dem Kauf des Bagger- und Kranherstellungsunternehmens seine Mitarbeiter unter Druck gesetzt haben, neue Arbeitsverträge mit schlechteren Arbeitsbedingungen zu unterschreiben. Viele der 650 Mitarbeiter hatten sich geweigert. Zu Verhandlungen hatte sich Filipov in keiner Weise bereiterklärt. Im Gegenteil, er hatte mitgeteilt, dass er nicht nur zu einem Gespräch mit seiner Belegschaft, der Gewerkschaft oder der Politik nicht gewillt sei, sondern soll die Forderungen seiner Belegschaft als „Angriff auf seine Intelligenz“ bezeichnet haben. Wie die TAZ am 14.10.2010 berichtete, soll er sogar seine Frau aufgefordert haben, ihn zu erschießen, wenn er im Anfall von geistiger Umnachtung doch einen Tarifvertrag unterschreiben sollte.
„Der hat gestern noch nicht damit gerechnet, dass wir überhaupt streiken würden“, meint einer der Männer, „und heute stehen wir schon hier“. Sie stehen hier, weil es ihre Arbeitskraft ist, die den Unternehmer bereichert, während dieser die Arbeitskraft seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Aussagen und Handlungen geringschätzt, verhöhnt und verachtet.
Die Streikenden sind mutig und zuversichtlich, scherzen und reden, obwohl manche der Aussagen doch auch bitterer klingen, als sie vielleicht beabsichtigt haben. Es ist nicht einfach, diesen Kampf durchzuziehen, zumal Kälte und Wind trotz warmer Kleidung so beißen, dass es einem die Tränen in die Augen treibt. Lange Tage liegen vor ihnen, wenn sie ihrer Forderung nach einer tariflichen Bindung nachhaltig Ausdruck verleihen wollen. Filipov hat sich in seinen letzten Äußerungen starrköpfiger und uneinsichtiger gezeigt als ein Vierjähriger, der wegen einer kindischen Befindlichkeit mit den Füßen auf den Boden stampft. Und einige Streikbrecher schleichen sich verstohlen an den in der Kälte ausharrenden Kolleginnen und Kollegen vorbei, um rasch und dienstbeflissen dem herrischen Fingerzeig des winkenden Filipov zu folgen, der hin und wieder betont gelassen in sein Foyer zurückschlendert, um sich mit einer Tasse heißen Kaffees aufzuwärmen. Diejenigen, die dem Chef sogar die Hand schütteln, um ihm zu zeigen, dass sie nicht zu den unbequemen Aufrührern gehören, negieren den Mut ihrer Kolleginnen und Kollegen. Sie zeigen, wohin Egoismus und Angst den abhängigen Menschen sehr schnell bringen können.
DIE LINKE im Landkreis Oldenburg erklärt sich solidarisch mit den Streikenden und unterstützt den Arbeitskampf nachdrücklich. Zwar haben an diesem Morgen die beiden LINKEN Kreisvorsitzenden Katharina Lindner und Holger Gerdes in ihrer gelben ver.di-Weste die Solidarität der Schwestergewerkschaft gezeigt, doch ist dieser Besuch bei der Atlas-Belegschaft nicht der letzte gewesen.

“Nachdem Gott die Klapperschlange, die Kröte und den Vampir geschaffen hatte, blieb ihm noch etwas abscheuliche Substanz übrig, und daraus machte er einen Streikbrecher. Ein Streikbrecher ist ein aufrechtgehender Zweibeiner mit einer Korkenzieherseele, einem Sumpfhirn und einer Rückgratkombination aus Kleister und Gallert. Wo andere das Herz haben, trägt er eine Geschwulst räudiger Prinzipien."
Jack London (1876-1916), Schriftsteller


